Ost-Afrika: CAFGEM in Kenia
Mindestens 30 Prozent der kenianischen Frauen sind Analphabetinnen (regional z. T. wesentlich höher, häufig um 90 Prozent). Das liegt u. a. daran, dass Schulen aufgrund immenser Distanzen oft nicht erreichbar sind. Die Mädchen werden ohnehin gerne zuhause behalten, um sie für die Haus- und Feldarbeit anzulernen. Da in Kenia eine große Zahl von Schulmädchen schwanger werden, bleiben viele Eltern dem Schulbesuch gegenüber negativ eingestellt. Die kenianischen Medien berichteten 2010 von einer hohen Zahl angeklagter Lehrer, die Schulmädchen vergewaltigt oder mit der Vergabe von besseren Noten zum Geschlechtsverkehr verführt hatten; ein nationaler Skandal. Leider stellt für viele mittellose Eltern das Brautgeld (Dhauri) einer jungfräulichen Tochter ein viel versprechendes Einkommen dar, wofür Nutztiere oder Agrarmittel gekauft werden können.
Selbsthilfe fördern –
Frauen und Kinder stärken (Empowerment)
Aufgrund unserer langjährigen Verbindung und Zuneigung zu vielen Einheimischen, im Bewusstsein ihrer schwierigen Lebensrealität, fördern wir das Selbsthilfeprojekt CAFGEM (Community Against Female Genital Mutilation). Die MitarbeiterInnen bilden ein Team aus PädagogInnen und "Graswurzel-Aktivistinnen", die mit eigenen Strategien frauenfeindliche Strukturen in der Gesellschaft durchbrechen. Unsere Unterstützung für CAFGEM fußt auf Erkenntnissen, die wir in vielen Gesprächen mit kenianischen Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts erworben haben. Wir sind überzeugt, dass man nicht warten kann auf "bessere Zeiten", um Veränderungen zugunsten der weiblichen Bevölkerung herbeizuführen, sondern dass zunächst mithilfe von Aufklärung und Bildung (Förderung des Empowerment) in Verbindung mit ökonomischer Unterstützung (Einkommen schaffende Maßnahmen) und darauf fußenden Kontrollmaßnahmen (z. B. Genital Health Check-ups) neue Fakten geschaffen werden müssen, um den Teufelskreis von Armut und schädlichen Traditionen zu durchbrechen.
Wir wurden davon überzeugt, dass man in Afrika nicht weiterkommt, wenn man die Menschen isoliert zu einem Thema aufklären will und dabei ihre existentiellen Probleme nicht berücksichtigt. Zu stark sind Armut und Aberglaube mit der Beibehaltung schädlicher Gewohnheiten verwoben. Auch wenn CAFGEM kein Hilfsprojekt ist, wird die Anlaufstelle als Ziel vieler Bittstellerinnen aufgesucht, für die das Projekt oft die einzige Hoffnung auf Unterstützung ihrer Probleme ist. Dabei geht es oft nur um die Anschaffung eines Nutztieres, einen Sack Maismehl oder die Fahrtkosten zu einem kranken Familienmitglied. CAFGEM hilft in Härtefällen soweit die Spendengelder dies ermöglichen und stärkt damit die Akzeptanz und den Respekt für das Projekt und seine Ziele in der Region.
Seit der Gründung im Jahr 2000 wird kontinuierliche Arbeit für Kinderschutz mit Aufklärungskampagnen in Dörfern und Institutionen geleistet. CAFGEM hat Kindergärten und Schulen gebaut, in denen auch Erwachsenenbildung durchgeführt wird. Die Einrichtungen in Taveta sind inzwischen autark. Spenden aus Deutschland haben die Bauarbeiten ermöglicht. Begleitende Gesundheitsprojekte und die Förderung des Jugendsports, sowie Frauen-Selbsthilfeprojekte für Einkommen schaffende Maßnahmen und Aktionen für den Umweltschutz ergänzen das Programm.
In Mombasa, Taita und in der Lamu-Region (nordöstliche Küste) wirkt die effektive Aufklärungsarbeit von CAFGEM in verschiedenen Dorfgemeinschaften nach. Viele junge Männer sprechen neuerdings offen aus, dass sie nur unverstümmelte Mädchen heiraten wollen, was einen gesellschaftlichen Wertewandel verspricht. Für viele weibliche Kinder, deren Zahl durch die kontinuierliche Aufklärung von CAFGEM hoffentlich weiter zunehmen wird, bedeutet das Schutz vor Genitalverstümmelung. Andererseits nimmt die Erstarkung der islamischen Fundamentalisten (Al-Shaabab) in der Küstenregion zu, sodass für die Umsetzung von Frauenrechten und Kinderrechten weiterhin gekämpft werden muss, was nicht überall ungefährlich ist und unseren Respekt für die CAFGEM-Aktivistinnen verdient!
Wichtiges aktuelles Begleitprojekt bei CAFGEM ist ein Beitrag zum lokalen Umweltschutz durch kooperative Bildungsmaßnahmen mit der Gesundheitsbehörde und die Einleitung und Unterstützung der lokalen Müllentsorgung als Hygieneprojekt. Zusätzlich testen die angeschlossenen Frauengruppen alternative Brennstoffe zum Schutz der Abholzung von Tropenbäumen für Holzkohle in Zusammenarbeit mit der Organisation Wildlife Works. Insbesondere für die Durchführung der lebensnotwendigen Wasserprojekte dankt CAFGEM der Dortmunder Energie- & Wasserversorgung / DEW21!
Damit die Aufklärung gegen Genitalverstümmelung erst genommen wird, führt CAFGEM seit 2003 im Projektkindergarten und der Projektschule eigenverantwortlich Kontrollmaßnahmen (Genital Health Check-ups) für die Mädchen durch und wurde für sein Gesamtprogramm von der regionalen kenianischen Bildungsbehörde als Role Model (Vorbild) mit einem Pokal ausgezeichnet. CAFGEM ist mit anderen Menschenrechtsorganisationen wie z. B. Meandeleo ya Wanawake, World Vision und FHOK landesweit vernetzt. Zu Themen der Reproduktiven Gesundheit werden am 25. November/Nein zu Gewalt an Frauen, 6. Februar/Null Toleranz zu FGM-Day und 8. März/Internationaler Frauentag häufig gemeinsame öffentliche Veranstaltungen durchgeführt.
An die Unterstützung für CAFGEM werden konkrete Bedingungen geknüpft, die durch jährliche Projektbesuche durch TABU e.V. evaluiert werden.





