TABU e.V.             

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TABU gebrochen - Neuer Standard in der Entwicklungszusammenarbeit
das Projektmotto von CAFGEM in Kiswahili und Englisch an den Schulwänden:
"Bildung statt Verstümmelung"

 

10 Jahre CAFGEM 2010

Role Model

Wie es begann...

In Kilifi, einem Dorf der nördlichen Küstenregion Kenias, entstand Ende der 1990er Jahre eine sog. Graswurzel-Organisation („grass-root organisation“)...

Der  Tierarzt Florencio Adeodato Barreto, Sohn eines Migranten aus Goa und einer somalischen Mutter, wollte das Leiden der Mädchen und Frauen aufgrund ihrer genitalen Verstümmlung nicht länger dulden.  Er begann nach einem 18jährigen Aufenthalt in Deutschland nach seiner Rückkehr in die alte Heimat Kenia mit einigen Frauen seines mütterlichen Klans (Adjuran-Somali) Aufklärungsarbeit durchzuführen, der sich daraufhin mehrere Frauengruppen und seine älteste Tochter Maria Nareku anschlossen. Im Jahr 2000 wurde CAFGEM als CBO (Community Based Organisation), als nichtstaatliche Organisation behördlich registriert. Nareku prägte den Namen CAFGEM - Community Against Female Genital Mutilation.
CAFGEM wird inzwischen von Frauengruppen verschiedener Ethnien und Religionen getragen, die versuchen, bessere Bildungsmöglichkeiten für ihre Kinder sowie verbesserte Lebensbedingungen durch Einkommende schaffende Maßnahmen für sich und ihre Familien zu schaffen (meist Agrar- und Tierzucht-Projekte). Nach der Aufklärungsarbeit in der nördlichen Küstenregion verlagerte das Projekt 2003 seinen Standort nach Kinango an der Grenze zu Kasigao. Hier gelang es, ein Frauen- und Bildungszentrum mit einem integrierten Kindergarten zu eröffnen, das schnell von sich reden machte. Zum ersten mal in dieser Region wurde Erwachsenenbildung zu Themen der Reproduktiven Gesundheit für alle gesellschaftlichen Zielgruppen angeboten. Die Immobilie wurde jedoch im Herbst 2007 verkauft und CAFGEM zog um ins Zentrum des Dorfes. Schon im Jahr zuvor hatten hier die Vorbereitungen für die Projekterweiterung einer achtklassigen Primary School  begonnen. Im gleichen Jahr bezog dort der CAFGEM-Kindergarten (Blue Ostrich Nursery) ein kleines, mit deutschen Spendenmitteln gebautes Kinderhaus. 
Florencio A. Barreto leitete bis zu seinem Tod im Juni 2007 das CAFGEM-Projekt. Zu seinem Andenken verlieh die Gemeinde der Projektschule am Tsavo seinen Namen: CAFGEM-Barreto-Primary-School und setzte das Projektmotto "Bildung statt Verstümmlung" in den Sprachen Kiswahili und Englisch auf die Klassen- und Außenwände der Gebäude: "Elimu bila Ukeketaji", "No Mutilation but Education". Es gibt keine weitere Bildungseinrichtung in Kenia, die so offensiv das Tabu zu FGM bricht und nach außen trägt. Eltern, die ihre Kinder hier einschulen, sind sich bewusst, dass CAFGEM den Anspruch des Kinderschutzes in der theoretischen und praktischen Projektarbeit umsetzt.

Die Agrar-Ökonomin Maria Nareku leitet autark die Projektarbeit in der Region um Taveta mit den sog. Mbuyuni Women Groups. Die Sunshine Akademie wurde mit Spendengeldern gebaut und ist ihr Arbeitszentrum. Aufgrund günstiger Bodenbedingungen werden hier hauptsächlich Agrarprojekte für das Einkommen der Frauengruppen realisiert.
Farhia Abdukadir leitet zusammen mit Amina Hussein das Projekt am Tsavo und ist zuständig für die Aufklärungskampagnen, die Durchführung eines Bildungsangebots für Erwachsene und die allgemeine Projektarbeit. In Zusammenarbeit mit dem pädagogischen Team des Kindergartens und der Schule wird das Bildungsangebot abgestimmt auf den Bedarf der Zivilbevölkerung. Seit 2003 werden regelmäßig medizinische Unversehrtheitskontrollen der Mädchen in den CAFGEM-Bildungseinrichtungen durchgeführt. Durch ein sog. Community Desk (Gemeindeberatung) in einigen beteiligten staatlichen Gesundheitsstationen wird diese Maßnahme einer breiten Öffentlichkeit in abgelegenen Siedlungsgebieten erläutert. Damit gelang ein bisher einmaliger Durchbruch im Kampf gegen FGM innerhalb einer Projektarbeit auf Graswurzelebene. CAFGEM erhielt den Status eines Role Models in Kenia. Ein schöner Erfolg zum 10jährigen Jubiläum im Jahre  2010, der hoffentlich Nachahmer finden wird, um noch mehr Mädchen vor Genitalverstümmelung zu schützen. CAFGEM genießt in der Region große Akzeptanz und Respekt und unterhält ein starkes Netzwerk zu Frauengruppen und regionalen Funktionsträgern. Ulla Barreto und ihr zweiter Ehemann Hartmut Schwinty entschlossen sich 2001 dieses viel versprechende Projekt mit der Gründung von TABU e.V. zu unterstützen. Sie fliegen jährlich nach Kenia und leisten seit Jahren ehrenamtlich die Projekt-Evaluation und die Arbeit im Verein TABU. Die Arbeit für Menschenrechte der bi-nationalen Familie zeigt erfreuliche Erfolge.