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VIDEOS


Maria Nareku, CAFGEM, zu den Unversehrtheitskontrollen (Genital Health Check Ups)

 


Conny Mwashuma, CAFGEM,  Relevanz der Terminologie

 


After Infibulation - copyright TABU e.V.

 

Weibliche Genitalverstümmelung

Es gibt nichts zu beschönigen! Bei der weiblichen Genitalverstümmelung (international: Female Genital Mutilation/FGM) handelt es sich um primitive, sadistische, gefährliche, sinnlose und in keinem Fall akzeptable Schnippeleien an den weiblichen Genitalien, die dem weiblichen Körper auf unterschiedliche Weise lebenslangen Schaden zufügen.
Zu einem großen Teil werden sie in ländlichen Gebieten von sog. Beschneidern oder Beschneiderinnen, Dorfzauberern oder sog. Heilern an kleinen Mädchen, meist im vorpubertären Alter, ausgeführt. In Städten beteiligen sich unterschiedliche Leute daran, um mit dieser Folter an wehrlosen Kindern Geld zu verdienen: z. B. Friseure in Ägypten und gewissenloses, medizinisch ausgebildetes Personal. Je nach Land geschieht dies gegen geltendes Gesetz. Die Verwandten und die Ausübenden berufen sich dabei auf ihre Tradition und Kultur. Folter an Kindern, bei der jedes dritte Mädchen stirbt, soll also Tradition und Kultur genannt werden? So wie Kannibalismus, Sklavenhandel, Massaker - oder wie bezeichnen wir diese?
Es liegt auf der Hand, dass sich die Kinder nicht alleine bzw. freiwillig dieser "Tradition" opfern, schon deshalb nicht, weil sie gar nicht einschätzen können, was diese Metzgerei, wie Dr. Radol aus Shanzu/Kenia sie nannte,  für Folgen für sie haben wird. Vielmehr werden sie von ihren Schutzbefohlenen, also Eltern oder Verwandten, mit absurden Lügen und Drohungen unter Druck gesetzt und dazu gezwungen (z. B. Du wirst dann eine reine, schöne Frau und Du findest sonst nie einen Ehemann, Du wirst sonst keine Kinder haben, die Ahnen werden keinen Regen schicken etc.).
In der Fachliteratur wird meistens der Hinweis auf 28 afrikanische Herkunftsländer gegeben. Heute wissen wir, dass wesentlich mehr Länder und Regionen  betroffen sind: z. B. in Algerien, Marokko, Syrien, Irak, Iran, Jemen, sowie Regionen im muslimischen Indonesien, Malaysia, Philippinen, in Israel lebende äthiopische Jüdinnen sind meistens betroffen, sowie verschiedene muslimische Gemeinschaften in Indien (Dhaudi Bora). Einige Völker führen die genitale Verstümmelung bereits an ihren weiblichen Nachkommen im Babyalter durch (z. B. ägyptische Kopten, Regionen im Sudan, Äthiopien und teilweise  in Westafrika). Durch Migration und Bevölkerungswachstum ist die weltweite Ausbreitung und ein Anstieg der Praktik  zu beobachten. Die öffentlichen Angaben über die geschätzte Anzahl der Betroffenen weltweit variieren zwischen 150 und 300 Millionen. Jährlich werden mindestens 3 Millionen weibliche Kinder der Tortur erneut unterworfen.
Die Menschenrechtsdeklaration der UN bezeichnet FGM als Folter und Kindesmisshandlung, da sie gegen das menschliche Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit verstößt, das wichtigste Menschenrecht überhaupt. Doch bietet diese Deklaration, die auch von fast allen afrikanischen Staaten unterschrieben wurde, bislang keinen konkreten Schutz. Genitalverstümmelungen dürfen nicht geduldet werden, fordert Ayaan Hirsi Ali als holländische Parlamentsabgeordnete i. J. 2004, wir schließen uns ihrer Meinung an, und insofern sind unsere Zivilcourage und unser Engagement gefragt, die einem gemeinsamen, internationalen Handeln verpflichtet sind.

Verschiedene Typen von FGM

"Sunna"
Das Einstechen, Ritzen oder Entfernen der Vorhaut der Klitoris. Diese Form ist von medizinischen Laien kaum ohne Verletzung des umgebenden Gewebes auszuführen. Zur  Durchführung sind feine chirurgische Instrumente und anatomische Grundkenntnisse erforderlich, über welche die Ausübenden nicht verfügen. Diese sog. Sunna existiert nicht im Koran, wird jedoch der muslimischen Bevölkerung als solche suggeriert und als "reinigend und ehrenhaft für die Frau" bezeichnet. Ein häufiges Phänomen in Afrika/Kenia beobachten wir in einem absurden Konkurrenzverhalten zwischen christlichen und muslimischen Ethnien: Weil die Mädchen des eigenen Volkes ebenso "rein" gemacht werden sollen, wie die Mädchen der benachbarten Muslime, wird eine sog. Sunna bei zuvor nicht FGM ausübenden christlichen Ethnien nun als notwendig erachtet durchzuführen. Auch dieser Irrglaube führt in einigen Landesteilen zu einer weiteren Verbreitung von FGM.

Klitoridektomie oder modifizierte Sunna
Das teilweise oder gänzliche Abschneiden oder Herausreißen der Klitoris.

Exzision
Klitoris und innere Labien (Schamlippen) werden teilweise bis gänzlich entfernt. Einige der Ausübenden schaben zusätzlich die Innenwände der Vagina aus (Introcision).

Infibulation oder "pharaonische Beschneidung"
Bei der Infibulation (lateinisch = Verschluss) werden sowohl die Klitoris, wie die inneren Labien und das inneres Fettgewebe der äußeren Schamlippen und des Venushügels entfernt. Danach werden die verbliebenen Hautlappen über der Vagina mit irgendeinem Nähmaterial oder Akaziendornen verschlossen. Die Einführung eines Stückchen Holz oder Stroh soll das völlige Zusammenwachsen der Wunde verhindern. Aus der einen stark verkleinerten Öffnung müssen anschließend lebenslang Urin sowie Menstruationsblut austreten, was häufig zu gesundheitlichen Komplikationen führt. Zur Schließung der Wunde werden die Beine der Mädchen von den Füßen bis zu den Hüften zusammengebunden. Während einer Zeit von mehreren Wochen kontrollieren die Beschneider oder Beschneiderinnen oder auch Angehörige den Zustand der Wunde, die ggf. "korrigiert" wird, falls das Ergebnis nach ihrem Ermessen nicht zufrieden stellend ist. Das Ergebnis soll eine flache Hautbrücke sein, ähnlich einer Puppe.

Zum Geschlechtsverkehr hat der Ehemann das Recht, die Frau notfalls mit Gegenständen zu öffnen: De-fibulation. Durch die harte Narbenbildung (Keloide) ist eine Defibulation mit dem Penis oft nicht möglich. Bei einer Schwangerschaft müssen betroffene Frauen aus diagnostischen Gründen defibuliert werden, um sie untersuchen und später entbinden zu können. Meist wird von den Ehemännern und/oder den Betroffenen selber nach einer Entbindung die Re-infibulation (erneutes Verschließen) verlangt, um den Wünschen des Ehemanns zu entsprechen.

Beschneiderinnen und Beschneider verschiedener Länder und Ethnien benutzen unterschiedlichste (Ritual-)gegenstände zur Durchführung von FGM: scharfe Muschelränder, Scherben, Dosendeckel, Messer, Scheren und neuerdings auch Rasierklingen.

Als häufigste Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung sind zu nennen: Schock, extreme Blutungen, Fisteln, Komplikationen im Bereich der Harnwege/Nieren und des Geburtskanals. Zusätzliche Symptome sind psychische, psychosomatische und psychosoziale Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Die Tortur kann zu einem posttraumatischen Stress-Syndrom führen. Weitere Krankheitsverläufe sind der Medizin bekannt.

siehe auch: "Schnitt in die Seele", Petra Schnüll, Mabuse Verlag, ISBN 3-935964-28-5; und Ayaan Hirsi Ali "Ich klage an - Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen", PIPER Verlag, ISBN 3-492-04793-9

Text, Videos und Fotos copyright: TABU e.V.