SPENDEN
Projektarbeit zum Kinderschutz braucht Nachhaltigkeit. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende oder einer Fördermitgliedschaft, schon ab 36 Euro jährlich = 3 Euro monatlich.
Spendenkonto 211014164
Sparkasse Dortmund
BLZ 44050199 - gemeinnützig

VIDEOS

Maria Nareku, CAFGEM, zu den Unversehrtheitskontrollen (Genital Health Check Ups)

Conny Mwashuma, CAFGEM, Relevanz der Terminologie
%20Schwinty%20SAM_0638.jpg)

After Infibulation - copyright TABU e.V.
Weibliche Genitalverstümmelung
Es gibt nichts zu beschönigen! Bei der weiblichen Genitalverstümmelung (international: Female Genital Mutilation/FGM)
handelt es sich um primitive, sadistische, gefährliche, sinnlose und in keinem
Fall akzeptable Schnippeleien an den weiblichen Genitalien, die dem weiblichen
Körper auf unterschiedliche Weise lebenslangen Schaden zufügen.
Zu einem großen Teil werden sie in ländlichen Gebieten von sog. Beschneidern
oder Beschneiderinnen, Dorfzauberern oder sog. Heilern an kleinen Mädchen, meist
im vorpubertären Alter, ausgeführt. In Städten beteiligen sich unterschiedliche
Leute daran, um mit dieser Folter an wehrlosen Kindern Geld zu verdienen: z. B.
Friseure in Ägypten und gewissenloses, medizinisch ausgebildetes Personal.
Je nach Land geschieht dies gegen geltendes Gesetz. Die Verwandten und die
Ausübenden berufen sich dabei auf ihre Tradition und Kultur. Folter an Kindern,
bei der jedes dritte Mädchen stirbt, soll also Tradition und Kultur genannt
werden? So wie Kannibalismus, Sklavenhandel, Massaker - oder wie bezeichnen wir
diese?
Es liegt auf der Hand, dass sich die Kinder nicht alleine bzw.
freiwillig dieser "Tradition" opfern, schon deshalb nicht, weil sie gar nicht
einschätzen können, was diese Metzgerei, wie Dr. Radol aus Shanzu/Kenia sie
nannte, für Folgen für sie haben wird. Vielmehr werden sie
von ihren Schutzbefohlenen, also Eltern oder Verwandten, mit
absurden Lügen und Drohungen unter Druck gesetzt und dazu gezwungen (z. B. Du wirst dann eine reine, schöne Frau
und Du findest sonst nie einen Ehemann, Du wirst sonst keine Kinder haben, die Ahnen werden keinen Regen
schicken etc.).
In der Fachliteratur wird meistens der Hinweis auf 28
afrikanische Herkunftsländer gegeben. Heute wissen wir, dass wesentlich mehr
Länder und Regionen betroffen sind: z. B. in Algerien, Marokko, Syrien, Irak, Iran, Jemen, sowie
Regionen im muslimischen Indonesien, Malaysia, Philippinen, in Israel lebende äthiopische
Jüdinnen sind meistens betroffen, sowie verschiedene muslimische Gemeinschaften in Indien
(Dhaudi Bora). Einige Völker führen die genitale Verstümmelung bereits an ihren
weiblichen Nachkommen im Babyalter durch (z. B. ägyptische Kopten, Regionen im
Sudan, Äthiopien und teilweise in Westafrika). Durch
Migration und Bevölkerungswachstum ist die weltweite Ausbreitung
und ein Anstieg der Praktik zu beobachten. Die öffentlichen Angaben über die geschätzte
Anzahl der Betroffenen weltweit variieren zwischen 150 und 300 Millionen.
Jährlich werden mindestens 3 Millionen weibliche Kinder der Tortur erneut
unterworfen.
Die Menschenrechtsdeklaration der UN bezeichnet FGM als Folter und
Kindesmisshandlung, da sie gegen das menschliche Grundrecht der körperlichen
Unversehrtheit verstößt, das wichtigste Menschenrecht überhaupt. Doch bietet
diese Deklaration, die auch von fast allen afrikanischen Staaten unterschrieben
wurde, bislang keinen konkreten Schutz. Genitalverstümmelungen
dürfen nicht geduldet werden, fordert Ayaan Hirsi Ali als holländische
Parlamentsabgeordnete i. J. 2004, wir schließen uns ihrer Meinung an, und
insofern sind unsere Zivilcourage und unser Engagement gefragt, die einem
gemeinsamen, internationalen Handeln verpflichtet sind.
Verschiedene Typen von FGM
"Sunna"
Das Einstechen, Ritzen oder Entfernen der Vorhaut der Klitoris. Diese Form ist
von medizinischen Laien kaum
ohne Verletzung des umgebenden Gewebes auszuführen. Zur Durchführung sind
feine chirurgische Instrumente und anatomische Grundkenntnisse erforderlich,
über welche die Ausübenden nicht verfügen. Diese sog. Sunna existiert nicht im Koran, wird jedoch der
muslimischen Bevölkerung als
solche suggeriert und als "reinigend und ehrenhaft für die Frau" bezeichnet. Ein
häufiges Phänomen in Afrika/Kenia beobachten wir in einem absurden
Konkurrenzverhalten zwischen christlichen und muslimischen Ethnien: Weil die
Mädchen des eigenen Volkes ebenso "rein" gemacht werden sollen, wie die Mädchen
der benachbarten Muslime, wird eine sog. Sunna bei zuvor nicht FGM ausübenden
christlichen Ethnien nun als notwendig erachtet durchzuführen. Auch dieser
Irrglaube führt in einigen Landesteilen zu einer weiteren Verbreitung von FGM.
Klitoridektomie oder modifizierte Sunna
Das teilweise oder gänzliche Abschneiden oder Herausreißen der Klitoris.
Exzision
Klitoris und innere Labien (Schamlippen) werden teilweise
bis gänzlich entfernt. Einige der Ausübenden schaben zusätzlich die Innenwände
der Vagina aus (Introcision).
Infibulation oder "pharaonische Beschneidung"
Bei der
Infibulation (lateinisch = Verschluss) werden sowohl die Klitoris, wie die
inneren Labien und das inneres Fettgewebe der äußeren Schamlippen und des
Venushügels entfernt. Danach werden die verbliebenen Hautlappen über der Vagina
mit irgendeinem Nähmaterial oder Akaziendornen verschlossen. Die Einführung
eines Stückchen Holz oder Stroh soll das völlige Zusammenwachsen der Wunde verhindern. Aus der
einen stark verkleinerten Öffnung müssen anschließend lebenslang Urin sowie Menstruationsblut austreten,
was häufig zu gesundheitlichen Komplikationen führt. Zur Schließung der Wunde werden die Beine der Mädchen von den Füßen bis zu den
Hüften zusammengebunden. Während einer Zeit von mehreren Wochen kontrollieren
die Beschneider oder Beschneiderinnen oder auch Angehörige den Zustand der Wunde, die ggf. "korrigiert" wird, falls
das Ergebnis nach ihrem Ermessen nicht zufrieden stellend ist. Das Ergebnis soll
eine flache Hautbrücke sein, ähnlich einer Puppe.
Zum Geschlechtsverkehr hat der Ehemann das Recht, die Frau notfalls mit Gegenständen zu öffnen: De-fibulation. Durch die harte Narbenbildung (Keloide) ist eine Defibulation mit dem Penis oft nicht möglich. Bei einer Schwangerschaft müssen betroffene Frauen aus diagnostischen Gründen defibuliert werden, um sie untersuchen und später entbinden zu können. Meist wird von den Ehemännern und/oder den Betroffenen selber nach einer Entbindung die Re-infibulation (erneutes Verschließen) verlangt, um den Wünschen des Ehemanns zu entsprechen.
Beschneiderinnen und Beschneider verschiedener Länder und Ethnien benutzen unterschiedlichste (Ritual-)gegenstände zur Durchführung von FGM: scharfe Muschelränder, Scherben, Dosendeckel, Messer, Scheren und neuerdings auch Rasierklingen.
Als häufigste Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung sind zu nennen: Schock, extreme Blutungen, Fisteln, Komplikationen im Bereich der Harnwege/Nieren und des Geburtskanals. Zusätzliche Symptome sind psychische, psychosomatische und psychosoziale Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Die Tortur kann zu einem posttraumatischen Stress-Syndrom führen. Weitere Krankheitsverläufe sind der Medizin bekannt.
siehe auch: "Schnitt in die Seele", Petra Schnüll, Mabuse Verlag, ISBN 3-935964-28-5; und Ayaan Hirsi Ali "Ich klage an - Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen", PIPER Verlag, ISBN 3-492-04793-9
Text, Videos und Fotos copyright: TABU e.V.


%20Barreto%209064031.jpg)
%20Schwinty%20PA314396.jpg)