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VIDEO
Conny Mwashuma, CAFGEM Kenia, Relevanz der Terminologie bei Graswurzelkampagnen
Klassifikation
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet als weibliche Genitalverstümmelung sämtliche Eingriffe, bei denen ein Teil der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane oder
sogar das gesamte äußere Genitale entfernt wird. Unter Verstümmelung versteht man einen Eingriff, der
wichtige Organe eines Körpers irreparabel verletzt und seine Funktionen
zeitlebens beeinträchtigt. Bei der Verstümmelung weiblicher Genitalorgane handelt es sich um schwerwiegende, gewalttätige Eingriffe
am Körper eines Kindes (seltener einer Frau), die irreparable
körperliche und seelische Schäden hinterlassen.
Es ist aus menschlicher und therapeutischer Sicht verständlich, dass einige
(traumatisierte) Betroffene sich nicht als Opfer, sondern als Überlebende sehen
wollen.
Je nach Land, Region und ethnischer Zugehörigkeit werden unterschiedliche Praktiken angewandt:
Den meisten Mädchen wird ab dem Babyalter die Klitoris abgeschnitten oder
herausgerissen (Klitoridektomie).
Vielen Kindern werden zusätzlich die kleinen Schamlippen abgetrennt (Exzision).
In Ländern wie Ägypten, Sudan, Somalia, Mali, Guinea und Regionen anderer Länder
wie Kenia, Tanzania, Nigeria u. a.) werden nach dieser Prozedur zusätzlich
die großen Schamlippen ausgekratzt und manchmal auch ein Teil des Venushügels
ausgeschabt. Durch Verknebelung mit Akaziendornen oder Verschließen der
verbleibenden Hautlappen mit unterschiedlichen Nähmaterialien wird die Vagina bis auf eine minimale Öffnung verschlossen (Infibulation
oder sog. Pharaonische Beschneidung).
Urin muss sich anschließend unter der Narbe einen Weg bahnen. Das Urinieren kann
bis zu einer halben Stunde dauern. Auch Menstruationsblut kann nicht
mehr richtig abfließen und verursacht in der Folge erhebliche unterschiedliche
Beschwerden durch Harnrückstau und Ablagerungen in den Nieren. Es wird
geschätzt, dass ein Drittel der Mädchen daran sterben.
Das eigentliche Motiv für die Verstümmelungen ist immer gleich: Mädchen und Frauen sollen jungfräulich, keusch und in
der Ehe treu sein. Sie werden als Eigentum
und "Heiratsware" für Brautgeld betrachtet.
Verschiedenste Mythen, unwahre "religiöse" Begründungen und ideologisierte Vorstellungen von Reinheit und Ästhetik
dienen entsprechenden Gesellschaften als
Pseudo-Rechtfertigung für die Gewalt: z.B. die Klitoris wachse bis zu den Knien oder töte das Neugeborene und mache bei Berührung den Mann unfruchtbar; die Verstümmelung mache die Frauen fruchtbarer und erleichtere die Geburt.
Die
verstümmelten Genitalien seien schön und rein. Eine Frau mit intakten Genitalien verderbe das Essen
und darf keins servieren. Sie erzürne die Ahnen und gefährde
die Ernte... etc. Perfide Kombinationen aus gesellschaftlichen Sanktionen und Tabuisierung erschweren
das Ausbrechen aus dem Teufelskreis.
Die verstümmelnden Eingriffe werden in der Regel ohne Betäubung oder Schmerzmittel durchgeführt, meistens unter extrem unhygienischen Bedingungen, mit "Ritualgegenständen" wie Messer jeglicher Größe, Glasscherben, geschliffenen Steinen oder Muscheln, neuerdings auch Rasierklingen. Ausgeführt werden sie in den meisten Fällen von sog. „Beschneiderinnen“, die häufig auch als Hebammen und "Heilerinnen" tätig sind. Bei einigen Ethnien führen auch Männer (Dorf-Magier) die Tortur durch. Den Probandinnen wird untersagt jemals darüber zu sprechen. Das Tabu hilft der Aufrechterhaltung der vorsätzlichen Folter bis auf den heutigen Tag.
In einigen Ländern wird neuerdings die sog. „Medikalisierung“ des Eingriffs beobachtet:
Verantwortungslose
Ärzte und Ärztinnen sowie medizinisch ausgebildetes Personal oder "Quacksalber"
führen – in der Regel illegal und gegen das Berufsethos verstoßend – die
Verstümmelung der weiblichen Genitalien durch, um sich zu bereichern.
Publikation der WHO: „Eliminating female genital mutilation"

