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Conny Mwashuma, CAFGEM Kenia, Relevanz der Terminologie bei Graswurzelkampagnen
Klassifikation
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet weibliche Genitalverstümmelung sämtliche Eingriffe, bei denen ein Teil der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane oder das gesamte äußere Genital entfernt wird. Unter Verstümmelung versteht man einen nicht medizinisch angezeigten Eingriff, der den Körper irreparabel verletzt. Bei der genitalen Verstümmelung handelt es sich um schwerwiegende, äußerst gewalttätige Eingriffe in den Körper eines Kindes (selten einer erwachsenen Frau), die schwerste Schäden hinterlassen.
Je nach Land, Region oder ethnischer Zugehörigkeit werden unterschiedliche Praktiken angewandt:
Den meisten Mädchen wird die Klitoris herausgeschnitten (Klitoridektomie). Das
entspricht entwicklungsbiologisch der kompletten Entfernung des Penis beim Mann.
Vielen Opfern werden zusätzlich die kleinen Schamlippen entfernt (Exzision).
Bei etwa 20 % aller Betroffenen (Ägypten, Sudan, Somalia, Mali u. a.) werden Klitoris und die kleinen Schamlippen herausgeschnitten, die großen Schamlippen ausgekratzt und dabei manchmal auch ein Teil des Venushügels ausgeschabt. Durch Verknebelung mit Akaziendornen oder Vernähen der verbleibenden Hautlappen wird die vaginale Öffnung bis auf eine minimale Öffnung verschlossen (Infibulation). Urin muss sich unter der Narbe einen Weg bahnen. Menstruationsblut kann nicht richtig abfließen und verursacht in der Folge erhebliche unterschiedliche Beschwerden. Es wird geschätzt, dass ein Drittel der Mädchen daran sterben.
Das Motiv für die Verstümmelungen ist dabei immer gleich: Mädchen und Frauen sollen auf der Ebene der Sexualität kontrolliert werden, sollen jungfräulich, keusch und in einer Ehe treu sein. Frauen werden in diesen Gesellschaften umfassend diskriminiert und unterdrückt, und als Ware und Eigentum betrachtet.
Verschiedenste Mythen, "religiöse" Begründungen und ideologisierte Vorstellungen von Reinheit und Ästhetik halten als "Rechtfertigung" für die Gewalt her, wie z.B. die Klitoris wachse bis zu den Knien oder töte das Neugeborene und mache bei Berührung den Mann unfruchtbar, die Verstümmelung mache die Frau fruchtbarer und erleichtere die Geburt, die Vagina sei hässlich. Die verstümmelten Genitalien seien hingegen schön und rein. Eine Frau mit intakten Genitalien verderbe das Essen und darf deshalb keins servieren. Sie erzürne die Ahnen und gefährde deshalb die Ernte...
Die perfide Kombination aus gesellschaftlichen Sanktionen und Tabuisierung erschwert das Ausbrechen aus diesem Kreislauf der Gewalt.
Die verstümmelnden Eingriffe werden in der Regel ohne Betäubung oder Schmerzmittel durchgeführt, meistens unter extrem unhygienischen Bedingungen, mit "Ritualgegenständen" wie Messer jeglicher Größe, Glasscherben, geschliffenen Steinen oder Muscheln, neuerdings auch Rasierklingen. Ausgeführt werden sie in den meisten Fällen von sog. „Beschneiderinnen“, die häufig auch als Hebammen und "Heilerinnen" tätig sind. Bei einigen Ethnien führen auch Männer (Dorf-Magier) die Tortur durch.
In einigen Ländern wird vermehrt die sog. „Medikalisierung“ des Eingriffs beobachtet: Ärzte und Ärztinnen sowie anderes medizinisch ausgebildetes Personal führen – in der Regel illegal und gegen das Berufsethos verstoßend – die Verstümmelung der weiblichen Genitalien durch. Diese Vorgehensweise kann verheerende Folgen auf den Kampf gegen dieses Verbrechen haben: Wird dieser Gewaltakt erst als Operation getarnt, sind der neuerlichen Legitimierung und gesellschaftlichen Akzeptanz Tür und Tor geöffnet. Unsere Befürchtung ist, dass der öffentliche Protest wird womöglich verstummen wird. Wo einige in Narkose und Hygiene eine „menschlichere“ Komponente beim Verstümmeln von Kindern ausgemacht haben wollen, muss man klar sagen: die sog. „Medikalisierung“ setzt der Perversion die Krone auf und kann nur als Ausdruck eines völlig degenerierten, entmenschlichten Wertesystems verstanden werden.
Lesen Sie auch die Publikation „Eliminating female genital mutilation" der WHO.


