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Ursprung

Die Anfänge der Ausübung von genitaler Verstümmelung bei Frauen bleibt bis heute eher spekulativ. EthnologInnen vermuten, dass sie als "Läuterungsrituale" oder "Blutopfer" Tausende von Jahren zurückliegen. Als sicher gilt, dass Eingriffe an Menschen beiderlei Geschlechts ihren Ursprung im Alten Ägypten haben. Funde lassen darauf schließen, dass sie zunächst in den pharaonischen Familien praktiziert wurden mit dem Ziel, Frauen die Lust an ihrer Sexualität zu nehmen. Damit sollte ihre eheliche Treue und eine eindeutige Vaterschaft der Nachkommen gesichert werden. Der Begriff „pharaonische Beschneidung“ untermauert diese These. Er verharmlost die drastischste Form dieser Verstümmelungen: die Infibulation (lateinisch Fibula = Verschluss). Hierbei werden die gesamten äußeren Geschlechtsteile der Mädchen entfernt und verbleibende Hautlappen über der klaffenden Wunde bis auf eine winzige Öffnung verschlossen. In der Hochzeitsnacht müssen die Genitalien der Frauen mit Gewalt, oft mit einem Messer, geöffnet werden.  Anschließend muss der Geschlechtsverkehr häufig wiederholt werden, um die erneute Schließung der Wunde zu verhindern... Bei jeder Geburt werden die Frauen aufgeschnitten (De-Fibulation) und anschließend wieder zugenäht (Re-Infibulation).

Für Frauen und Mädchen, deren Vaginalöffnung eng verschlossen war, konnte auf den Sklavenmärkten ein höherer Kaufpreis erzielt werden. So wurde sowohl ihre künstliche „Jungfräulichkeit“ sichergestellt (zugleich die physisch-natürliche zerstört), als auch ihre Arbeitskraft nicht durch eine unkontrollierte Schwangerschaft beeinträchtigt.

Im heutigen Ägypten wird die Infibulation sowohl von Muslimen, wie auch von den urchristlichen Kopten beibehalten. Auch heute noch sind ca. 98 % der ägyptischen Mädchen und Frauen davon betroffen. Die gleiche Situation findet sich im Sudan, Somalia, Eritrea, Äthiopien, Mali, Regionen in Kenia, Mauretanien, Nigeria u. a.
 Auf dem Land führen bestimmte Frauen die Ausübung durch. Städtische Familien lassen die Infibulation auch von Barbieren im Hinterzimmer durchführen. Reichere Familien übergeben die Mädchen verantwortungslosem, medizinisch ausgebildeten Personal in Praxen und/oder Krankenhäusern, die an dieser "Menschenrechtsverletzung am Fließband" gut verdienen.

Es liegt auf der Hand, dass die Muslime nach ihrer Eroberung Ägyptens im siebten bis achten Jahrhundert nach Christus den schädlichen Brauch übernahmen und im Zuge ihrer weiteren Expansion, zunächst in die Nachbarländer (Äthiopien, Sudan, Somalia) und dann entlang der afrikanischen Küsten und Eroberungsregionen bis hin zum westlichen afrikanischen Kontinent (z. B. Benin, Mali, Niger, Nigeria, Sierra Leone,) ausbreiteten. Inzwischen wird die weibliche Genitalverstümmelung auch in muslimisch dominierten Regionen Asiens praktiziert: Indonesien, Malaysia, Philippinen, Teilen Indiens...
Im Koran selber findet sich allerdings kein Gebot (Sunna) zur Ausübung und neben vielen muslimischen Befürwortern der Praktik, die eine genitale Verstümmelung als "ehrenhaft" für die Frauen bezeichnen,  regt sich inzwischen auch vereinzelter Widerstand.

siehe: Fatwa von Kairo
(TARGET Organisation - in arabischer Schrift)

Es existieren verschiedene historische Zeugnisse aus vor- und nachchristlicher Zeit, in denen die Praktik von Verstümmelungen der weiblichen Genitalien bei unterschiedlichen Völkern und Religionen erwähnt werden. (vgl. z.B. El-Gawhary, K. 1994, S. 3)