Die CAFGEM-Projektschule
Bildung und Mädchenschutz unter einem Dach
"Kulturen ändern sich, und sie ändern sich oft sehr schnell. Dies geschieht unter dem Einfluss des kritischen Denkens, und das kann man in der Schule lernen."
(Zitat: Ayaan Hirsi Ali: Ich bin eine Nomadin - Mein Leben für die Freiheit der Frauen", Verlag Piper)

CAFGEM-Projektschule, Eingang zum Lehrerzimmer:
Klassenlehrer Onsare und Projektleiterin Farhia Abdikadir
Was Touristen meist nicht wahrnehmen
Am Rande der Savanne des Tsavo-Nationalparks haben die Menschen kaum Zugang zur Bildung. Die Kinder müssen sehr lange Fußmärsche bewältigen, um zur nächsten Schule zu gelangen, was aufgrund frei lebender Wildtiere nicht immer ungefährlich ist. Die Mädchen aller hier lebenden Ethnien wurden früher der genitalen Verstümmelung unterzogen: Mijikenda, Somali, Maasai und Taita. Die einheimischen Gründungsmitglieder von CAFGEM wählten deshalb für Aufklärungskampagnen und für den Bau von Kindergarten und Schule diese abgelegene Region, als Voraussetzung für den Kampf gegen schädliche traditionelle Praktiken, wie die Weibliche Genitalverstümmelung. Die achtklassige CAFGEM-Schule erhielt die Aufschrift des Projektmottos: "Elimu bila Ukeketaji" (Bildung statt Verstümmelung) in der Landessprache Kiswahili. Der angeschlossene CAFGEM-Kindergarten mit Vorschule trägt die gleiche Botschaft in Englisch: No Mutilation - But Education. Das Projektmotto wurde auch in sämtlichen Klassenräumen auf die Wände geschrieben.
Der Schulbau wurde in Kooperation mit Akifra Org./Dresden geleistet. In zwei Gebäudeflügeln werden acht Klassen unterrichtet. Die Ausstattung der Klassenräume ist noch nicht ganz vollständig, denn die angestrebte Schülerzahl von maximal 30 Kinder pro Klasse ist aufgrund des Andrangs nicht zu realisieren, wodurch sich der Bedarf an Schulbänken usw. erhöht hat. Zusätzlich soll eine Mensa angebaut werden, die multifunktional als Versammlungshalle und Frauentreff dienen soll. Obwohl noch einige Wünsche offen sind, befinden sich die Gebäude in einem schlichten aber guten Zustand.
Da inzwischen mithilfe der DEW21 Dortmund eine effektivere Wasserzufuhr nachgerüstet werden konnte, ist im Schulgarten die Zucht von Papaya-Bäumen zur Vitaminversorgung der Kinder möglich. Auf dem Areal werden tropentaugliche Bäume (z. B. Casuarina) zur Beschattung angepflanzt. Für die Setzlinge übernehmen Schulkinder Patenschaften. Für den Natur- und Umweltschutz kooperiert CAFGEM mit staatlichen und privaten Organisationen, die Lehrveranstaltungen in der Schule durchführen. Für angeschlossene Frauengruppen und die Bewohner der Region wird nachmittags oder auch an Wochenenden Erwachsenenbildung angeboten. Dabei werden Workshops zu Themen der Reproduktiven Gesundheit mit Aufklärungs-Videos ergänzt und auch externe ExpertInnen eingeladen. Eine kleine gespendete Solaranlage hilft, die fehlende Stromversorgung zu ersetzen. Das CAFGEM-Team ist mit anderen Institutionen, Behörden und Projekten vernetzt und nimmt an Meetings zur Fortbildung in der gesamten Küstenregion teil, wie z. B. bei der Bench Marking Tour Malindi bei der verschiedene Bildungseinrichtungen besucht wurden und ein reger Austausch stattfand. Die CAFGEM-Schule trägt zu Ehren des verstorbenen Projektgründers Florencio Adeodato Barreto, der 2003 die Unversehrtheitskontrollen für die Mädchen bei CAFGEM einführte, seinen Namen.
Auszeichnung der CAFGEM-Schule als ROLE MODEL
CAFGEM hat für die Bereitstellung von Bildung den Dorfautoritäten und der Elternversammlung die Bedingung gestellt, dass an dieser Schule Themen zu Menschenrechten (speziell Frauen- und Kinderrechte) in den Unterricht aufgenommen werden, was in Kenia allgemein nicht Standard ist. Die Eltern stimmen bei der Aufnahme ihrer Töchter den medizinischen Kontrolluntersuchungen zu. Im Unterricht wird regelmäßig erklärt, dass Ukeketaji, also die Genitalverstümmelung der Mädchen, eine sehr schädliche, brutale Sitte ist, die geächtet werden muss und nicht mehr durchgeführt werden darf.
Daraus entwickeln die Kinder Sketche, die an besonderen Tagen aufgeführt werden. Ab der Aufnahme in den Projektkindergarten wird die genitale Unversehrtheit der Mädchen auch im Schulalter durch einen einfachen Check-up medizinisch kontrolliert. Voraussetzung für diese Kontroll- und Schutzmaßnahme war eine Enttabuisierung des Themas Genitalverstümmelung durch eine intensive Aufklärung/Bildung der Zivilbevölkerung über einen geraumen Zeitraum. Durch diese Maßnahmen unterscheidet sich die CAFGEM-Schule von allen anderen Schulen in Kenia.
Die Genital Health Check-ups werden meist kombiniert mit einer allgemeinen Gesundheitsvorsorge (Impfungen, AIDS-Prävention etc.) in einer staatlichen Praxis. CAFGEM organisiert an diesen Tagen ein sog. community desk für alle PatientInnen, die dort auf ihre Behandlung warten und nutzt auf diese Weise die Möglichkeit, weitere Teile der Bevölkerung gegen Genitalverstümmelung aufzuklären.
Für das Gesamtprogramm als Schule ohne (rituelle) Gewalt, in der zusätzlich Aufklärung für Erwachsene durchgeführt wird und die Mädchen durch Gesundheitskontrollen nachweislich vor Genitalverstümmelung geschützt werden, erhielt die CAFGEM-Projektschule von der Bildungsbehörde den Titel Role Model mit einem Pokal verliehen. Hier wurde der richtige Weg beschritten, den es gilt fortzuführen. Unsere Unterstützung zeigt eine positive Wirkung.
Wobei wir unterstützen
In Zusammenarbeit mit dem pädagogischen Team und den Kindern bemühen wir uns, mit Spendengeldern die CAFGEM-Schule vernünftig einzurichten, fehlendes Mobiliar, Bildungsmaterialien und Schulsportartikel zu kaufen und damit verbesserte Lernbedingungen für die Kinder zu schaffen. Die Förderung des Sports, insb. des hier noch ungewohnten Mädchensports, zeigt eine erfreuliche Entwicklung für ein Umdenken in Richtung Gleichberechtigung. Wir sammeln Sach- und Geldspenden für das Outfit der Teams.
Geldspenden sind notwendig für weitere Baumaßnahmen der Mensa, die gleichzeitig als Aula und Versammlungsort von Frauengruppen dienen soll. Außerdem soll die Toilettenanlage auf tropentaugliche sog. Sodi-Toiletten ergänzt werden, da in Dürrezeiten oft nicht genügend Wasser vorhanden ist.
Wir bitten um Ihre Unterstützung dieser Maßnahmen, denn alle Kinder dieser Welt haben ein Recht auf Bildung und Schutz.
Ein Bildungsbetrieb erwirtschaftet leider kein Einkommen, aber als Fördermitglied helfen Sie uns, diese Einrichtung nachhaltig zu unterstützen. Damit helfen Sie nicht nur einem Kind, sondern hunderten: jedes Jahr werden große Gruppen unversehrter Mädchen aus dieser Schule entlassen. In diesem Alter wissen sie sehr genau, dass sie sich Genitalverstümmelung und Zwangsheirat nicht unterwerfen müssen und wo sie Hilfe bekommen: bei CAFGEM.
Aufgrund zu geringen Spendeneingangs ist uns das DZI-Siegel noch zu teuer, aber wir überzeugen uns jedes Jahr persönlich über die ordnungsgemäße Verwendung Ihrer Spendengelder vor Ort.









